Hilfe konkret und unmittelbar

21. Oktober 2020

Heuer ist alles ein wenig anders ...


Ein guter Verladeplan ist
die wichtigste Vorbereitung.

Schon Jahrzehnte lang schicken die Mitglieder der Aktion Solidarität containerweise vielerlei Hilfsgüter an bedürftige Menschen von Tirschenreuth in die Welt hinaus. Das Verladeteam ist ein eingespielter Trupp und da die Vorgehensweise sich mindestens einmal im Jahr wiederholt, greift routiniert die eine Hand in die andere. Doch die Umstände in diesem Jahr stellten die motivierten Helfer vor neue Herausforderungen.

Da ist zu einem das wichtige Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, also einer Maske, die vor allem Brillenträger mit beschlagenen Gläsern bei der Arbeit in der kalten Herbstluft stark behindert. Zum anderen haben wir leider durch Krankheit und Tod ehemalige Helfer und deren Erfahrungsschatz verloren. Aber Gott sei Dank ist die Mannschaft durch Neuzugänge verstärkt worden, die auf Anhieb reibungslos und äußerst effektiv mit den „alten Hasen“ der vergangenen Jahre zusammenarbeiten. Die Mitgliedschaft bei der Aktion Solidarität definiert sich vor allem aus der Mitarbeit an den Vereinszielen. Daher sind uns neue HelferInnen, ob hier beim Beladen der Lieferung nach Ruanda oder bei den Vorbereitungen der Waren und Spenden das ganze Jahr über immer herzlich willkommen.

Zurück zum Geschehen: Bereits vor 8.00 Uhr morgens stand der georderte LKW samt einem 20 Zoll langen Container auf dem Gelände in der Rothenbürger Straße bereit. Laut Vertrag mit der Spedition sind zwei Stunden Standdauer zum Verladen für die vielen Artikel vorgesehen. Jede weitere Minute verursacht zusätzliche Kosten. Die Packliste selber umfasste diesmal 20 Positionen und reicht von Rollstühlen und Kochgeschirr über Schreibmaterial und Fahrrädern bis hin zu 36 Nähmaschinen mit Zubehör wie Stoffe, Reißverschlüsse und Nähgarne. Letztere Position stellt wie immer sowohl vom Gewicht als auch vom Volumen her den Löwenanteil der Sachspenden dar und wurde in bewährter Weise von unseren fleißigen Frauen in eigens angefertigten Holzkisten vorbereitet. Diesjährige Briefe aus Ruanda von unseren Partnern Dr. Düll und P. Danko unterstrichen einmal mehr deutlich den großen Wert der Nähmaschinen bei der Entwicklungshilfe vor Ort in Afrika.

Die schweren Kisten mit jeweils zwei mechanischen Nähmaschinen und diversen Staumaterial werden teilweise übereinander getürmt, was dem Geschick des Radlagerfahrers und der Männer im Container höchste Konzentration abverlangt. Letztendlich können zwei solcher Kisten nur innerhalb des Containers und nicht schon außerhalb übereinander gestapelt, da die Ladeluke der beiden Containertüren einige Zentimeter zu niedrig ist. Weil es hier wirklich nur um Zentimeter geht, könnte ein Fehler schnell in einem schweren Unfall enden.

Ein weiteres Highlight der diesjährigen Fracht sind drei originalverpackte und fabrikneue Waschmaschinen, sowie ebenfalls zwei funkelnagelneue Elektroherde. Geldspenden aus dem ganzen Stiftland und die Tirschenreuther Elektrofirma König machten diese wertvollen und wichtigen Anschaffungen möglich. Noch viele weitere Kartons mit z.B. Bettwäsche, Windeln oder Spielsachen gingen mit auf die lange Reise nach Afrika; akribisch genau geschlichtet, um auch den kleinsten Winkel im Laderaum zu nutzen gemäß unserem Motto: „Wir verschicken keine bayerische Luft!“

„Heuer ist alles ein wenig anders“, was sich auch in der Vereinsarbeit bei der Aktion Solidarität niederschlägt. Es gab nicht nur in der Vorstandschaft einen Wechsel und auch der Internetauftritt des Vereins erfuhr eine Neugestaltung, sondern auch die Lagerstätte der Hilfsgüter in der Rothenbürger Straße wird in Kürze komplett umgebaut. Weil die Stadt Tirschenreuth auf dem Gelände neue Lagermöglichkeiten für die Vereine schaffen will, müssen auch unsere drei Lagercontainer den neuen Bauplänen weichen. So wurden mit dem diesjährigen Hilfstransport auch unsere Lager wieder leer und dadurch erst ein Abbau der Unterstellmöglichkeiten durchführbar. Ein letztes Mal taten die drei markanten Container am Stadtrand von Tirschenreuth ihren Dienst, bevor sie demnächst von einem Hohenwalder Bauern abgeholt werden. Jedoch ist uns im neuen Gebäude genügend Lagerfläche zugesagt, damit der Hilfsstrom aus dem Stiftland nicht abreißt. Um halb elf wurde der Transport-Container schließlich mit einer Plombe verschlossen und die nötigen Frachtpapiere mit dem Lkw-Fahrer ausgetauscht. Dieser machte sich auch umgehend auf den Weg nach München, wo die Fracht durch die Spedition für die Überseefahrt eingereiht wird. Mit einem großen Container-Schiff namens „Elly Maersk“ geht es dann auf die lange Reise zum Zielhafen Daresalaam in Tansania. Finanziell erst möglich wird der Transport durch einen großherzigen Kostenzuschuss von „Engagement Global – Service für Entwicklungsinitiativen“. Nach Antrag wird hier im Vorfeld der Transport auf seine Förderwürdigkeit geprüft und auch dieses Jahr wurde ein mittlerer vierstelliger Zuschuss zur Verschiffung gewährt.

Beim Wetter hatten wir für den Verladetermin Mitte Oktober ein goldenes Händchen. Zwar zeigte das Thermometer in der Früh nur 6 Grad an, aber es blieb durchwegs trocken und zur verdienten Brotzeit um 11 Uhr lachte sogar die Sonne vom Himmel und belohnte das Team mit wohlig warmen Sonnenstrahlen. Die zufriedenen Gesichter aller zeigten, es mal wieder geschafft zu haben und auch dieses Jahr einen gehörigen Beitrag zur Vereinsprämisse „Hilfe zur Selbsthilfe“ auf den Weg geschickt zu haben.

„Heuer ist alles ein wenig anders“, denn die nächsten Aufgaben und Herausforderungen für dieses Jahr wurden noch in einer kurzen Abschlussbesprechung geklärt. Die Überdachung der Lagercontainer muss noch vor Wintereinbruch zurückgebaut werden und auch noch ein kleinerer Transport nach Kosovo, ähnlich der Hilfslieferung nach Togo vor ein paar Tagen, steht noch an. Es gibt weiterhin viel zu tun. Die Vorstandschaft und Vereinsmitglieder freuen sich daher über jede helfende Hand oder finanzielle Unterstützung, z.B. in Form einer ↪ Patenschaft. Haben Sie auch Sinn für die „Gute Tat“ oder wollen Sie sich weiter über „Aktion Solidarität“ informieren, dann sprechen Sie uns an z.B. über unser ↪ Kontaktformular oder persönlich. Möglichkeit dazu haben Sie ↪ hier.

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Werner Fritsch, Schriftführer